Die richtige Kamera für den Kanada-Urlaub 1


Immer wieder sehe ich superscharfe, hochauflösende Fotos von Bären, Adlern und anderen Tieren in Kanada im Internet. Doch kann man als „normaler Tourist“ mit einer Kameraausstattung, die nicht ein paar tausend Euro kostet, auch gute Bilder machen? Welches ist die richtige Kamera für den Kanada-Urlaub?

Travel Elk

Schaue ich im Netz durch die unzähligen Kanada-Seiten, Foren oder Facebook-Gruppen, sehe ich immer wieder Hochglanz-Bilder, die mich wirklich beeindrucken. Nahaufnahmen von Bären, bei denen man noch winzigste Fusseln im Fell erkennen kann, Adler beim fischen, jede noch so kleine Feder gestochen scharf. Tolle Fotos, keine Frage! Doch wie sind diese Aufnahmen entstanden, und kann ich das auch?

Bei unserem letzten Aufenthalt im Great Bear Rainforest machten wir eine gemeinsame Tagestour mit einer Gruppe Fotografen. Als ich die Ausrüstung sah, wurde ich erstmal blass – Objektive, die länger und dicker waren als mein Oberschenkel wurden da mitgeschleppt, Kameraausrüstungen, für deren Gegenwert man schon einen Mittelklassewagen bekommt. Daneben stand ich – stolze Besitzerin einer Canon EOS 1100 D samt 75-300 Objektiv. Hm.

Die richtige Kamera für den Kanada-Urlaub - Travel Elk

Während wir auf dem Zodiac den Fluss hinauf fuhren, machte Katharina Landschaftsaufnahmen mit ihrem Handy. Neben ihr saß Joe, ein Fotograf aus New York. Er schaute ihr zu und fragte dann, ob er mal eines der Bilder sehen könnte.

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Etwas verschämt reichte Katharina ihm das Handy, und er schaute lächelnd ein paar der Bilder an. Dann gab er es ihr zurück und meinte trocken: „Weißt Du, wir haben vielleicht die größere und teurere Ausrüstung, aber vielleicht machst Du am Ende die besseren Bilder.“ Irritiert schauten wir ihn an – wollte er uns auf den Arm nehmen? Er sah unsere Blicke und fügte hinzu: „Na ja, wir machen tolle Nahaufnahmen, dazu sind wir hergekommen. Aber wir haben durch unsere Ausrüstung eines verloren – den Blick für das Ganze. Wir sehen nur noch das fokussierte Objekt – Ihr seht die Landschaft, nehmt die Stimmung wahr. Das tue ich eigentlich schon lange nicht mehr. Ich glaube, ich sollte mir auch mal wieder eine kleine, einfache Kamera zulegen…“

Diese Antwort hatten wir nicht erwartet. Als wir etwas später am Ufer des Flusses anlegten und uns einrichteten, um auf die Grizzlies zu warten, war es doch ein irgendwie schräges Gefühl, mit unserer Kamera und dem Handy zwischen all dem Profi-Equipment zu sitzen. Natürlich war ich neugierig, wie es eigentlich ist, mit so einer Kamera und einem mega-Objektiv Bilder zu machen. Also fragte ich den neben mir stehenden Fotografen Paul, ob ich mal durch seine Linse schauen dürfte. Er machte mir bereitwillig Platz, und was ich sah, machte mich schier sprachlos. Am gegenüberliegenden Ufer  saß ein winzig kleiner Vogel auf einem Zweig. Ich hätte ihn mit bloßem Auge oder auch durch meine Kamera nicht sehen können. Und nun war er zum greifen nah, selbst der kleinste Flaum war gestochen scharf erkennbar – wow. Ich fragte Paul, ob ich das Objektiv mal zurückschrauben dürfte, um zu sehen, was der weiteste Blickwinkel ist. Er nickte, und ich zog den Zoom so weit wie möglich zurück. Das Ergebnis war ein noch immer deutlich kleinerer Bildausschnitt als im stärksten Zoom meiner Kamera. Durch so einen Blickwinkel kann man wirklich spektakuläre Nahaufnahmen machen, aber in der Tat keine Landschaftsaufnahmen, geschweige denn, Stimmungen einfangen.

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Irgendwie fühlte ich mich am Ende des Tages mit meiner kleinen Spiegelreflex wohler als vorher. Warum? Ich hatte gegenüber diesen Profis mit ihrer irren Ausstattung einfach auch Vorteile! Ein Objektivwechsel geht schnell, denn ich konnte einfach das große gegen das kleine austauschen, fertig. Für die Fotografen war das eine größere Aktion, da durch das hohe Gewicht von rund 10-12 kg das Objektiv auf dem Stativ befestigt war, nicht die Kamera. Zudem schleppten sie nicht nur eins, sondern mehrere dieser riesigen Teile mit sich herum – allein das Gewicht so einer Ausrüstung wäre für mich einfach zu viel des Guten. Mir reicht schon unser Kamera-Rucksack und der Stativ-Sack, wenn ich beides mit mir herumtrage. Schließlich hat man ja auch Ersatzakkus, Wechselobjektiv, externen Blitz und sonstnichtwas dabei, auch das ergibt zusammen ein Gewicht, das sich auf Dauer bemerkbar macht.

Ehrlich gesagt bin ich auch mit den Ergebnissen unserer schlichten Spiegelreflex zufrieden – zumindest habe ich die komplette Familie ins Bild bekommen, worüber ich mich sehr gefreut habe! Zudem habe ich das nachfolgende Bild noch ohne Stativ gemacht, weil ich in diesem Moment gar keine Zeit gehabt hätte, erstmal alles richtig zu positionieren und auszurichten. Und bei den hohen Auflösungen, die Kameras inzwischen bieten, kann man gut einen Bildausschnitt herauslösen. Hier mal zum Vergleich das Bild im Original und der gezogene Ausschnitt:

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Sicherlich kein Profibild – aber ich mag es, und das ist für mich persönlich das wichtigste daran!

Was ist nun aus meiner Sicht die richtige Kamera für den Kanada-Urlaub? Für mich ist es ganz klar die, mit der Ihr umgehen könnt! Inzwischen machen selbst Handy-Kameras Aufnahmen in hervorragender Qualität, gleiches gilt für kleine Pocket-Kameras, die leicht in der Tasche verstaut werden können. An die hochauflösenden Bilder der Profis werden die Aufnahmen wohl nicht heranreichen, aber müssen sie das denn? Warum machen wir denn Fotos im Urlaub? Für mich sind Urlaubsfotos in erster Linie Erinnerungen, denn sie geben mir die Möglichkeit, mich auch nach Jahren wieder an wundervolle Orte zurückzuversetzen. Natürlich freut man sich, wenn man ein Foto in sozialen Netzwerken teilt und viele positive Reaktionen darauf bekommt. Aber dem Wettbewerb mit den Profi-Bildern im Netz sind wir meist nicht einmal ansatzweise gewachsen.

Das Ergebnis ist, dass viele sich schon fast nicht mehr trauen, ihre Fotos hochzuladen, weil sie vielleicht nicht dem inzwischen doch recht hohen Anspruch im Netz gewachsen sind. Ist denn eine leichte Unschärfe am Rand eines Bildes wirklich schon ein k.o.-Kriterium? Muss ich wirklich den kleinsten Fussel im Fell eines Tieres erkennen können, damit mir das Bild gefällt? Ich für mein Teil sage nein! Was macht denn ein gutes Foto aus? Doch nicht nur die Technik, viel wichtiger finde ich das Auge des Fotografen, der den Bildausschnitt sieht und festhält. Wer sagt denn, das ein Foto von einem Bären, der ein Stück weiter entfernt zu sehen ist, nicht gut ist? Wird eine Landschaft weniger schön, weil ich „nur“ ein für den Normalverdiener bezahlbares Objektiv habe? Aus meiner Sicht heraus muss mein Foto in erster Linie mir gefallen, es soll meine Erinnerung festhalten, mir Freude bereiten! Wenn es anderen auch gefällt, finde ich das natürlich schön, aber wenn nicht, dann kann ich auch prima damit leben. Es ist doch mein Foto, meine Erinnerung!

Zudem sind die meisten der Bilder, die so werbewirksam im Netz gepostet werden, mit Photoshop professionell nachbearbeitet. Da lässt sich noch unendlich viel aus einem Foto herausholen. Und wer die Ausgaben für die doch nicht gerade billige Software scheut, findet auch gute Bildbearbeitungsprogramme für den kleineren Geldbeutel – oder sogar kostenlos wie z. B. Gimp. Diese Programme bieten wirklich tolle Möglichkeiten in der Nachbearbeitung, wenn man sich ein wenig damit beschäftigt.

Darum habe ich einen Beitrag über unsere Kamera-Ausrüstung geschrieben. Ich möchte Euch zeigen, womit wir unterwegs sind, und dass es keine zigtausend Euro teure Ausrüstung braucht, um schöne Fotos zu machen! Statt dessen werdet Ihr Fotos sehen, die Ihr genau so auch selbst machen könnt, ohne Hightech-Ausstattung. Und letztendlich liegt Schönheit noch immer im Auge des Betrachters. Welches also für uns die richtige Kamera für den Kanada-Urlaub ist, könnt Ihr hier nachlesen. Welche es für Euch ist, solltet Ihr nach Euren persönlichen Möglichkeiten und Wünschen entscheiden – und Euch nachher einfach am Ergebnis freuen!


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