Glück im Unglück


Kennt Ihr das auch? Man plant eine Reise, bereitet alles vor, freut sich – und dann gibt es plötzlich einen Knall. Was da knallte und warum wir trotzdem großes Glück im Unglück hatten, erzähle ich Euch heute.

Glück im Unglück - Travel Elk

Bevor wir zu unserer Great Bear Rainforest Tour aufbrachen, habe ich in einem Beitrag unsere Kamera-Ausrüstung vorgestellt. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir eine recht überschaubare Technik. Das war ein paar Tage später anders – da lag auf dem Schreibtisch im Büro eine Canon EOS 6D mit unserem Canon 75-300 mm Objektiv. Die Kamera hatte ich gerade erst einem befreundeten Fotografen abgekauft, der auf das große Profi-Modell 1D X Mark II umgestiegen ist. Er hatte meinen Artikel gesehen und mir die 6D zu einem recht günstigen Preis überlassen, damit ich für die Reise ordentlich ausgestattet wäre. Ich war wirklich stolz und glücklich, sie zu haben!

Wir fotografieren beide sehr gerne, und das nicht nur auf Reisen, sondern auch zu Hause. Mit wachsender Begeisterung fotografieren wir zum Beispiel Eichhörnchen und Vögel in unserem Garten. Die Artenvielfalt unserer heimischen Vogelwelt begeistert uns immer wieder, und so ist die Kamera meist griffbereit positioniert. Man weiß ja nie, wer sich am Vogelhaus oder in den Bäumen vor dem Fenster zeigt! Das war über Jahre hinweg auch nie ein Problem, meist lag die Kamera auf dem Schreibtisch, denn vom Büro aus haben wir einen schönen Blick in unseren Garten.

Rumms!

So war es auch ein paar Wochen, bevor unsere diesjährige Kanada-Tour beginnen sollte. Ich saß friedlich im Büro an meinem PC, und wie so häufig leistete mir eine unserer Katzen dabei Gesellschaft. Unsere Fellnasen haben, wie es wahrscheinlich die meisten Katzenhalter kennen, die Angewohnheit, sich irgendwo mitten auf den Schreibtisch zu legen.

Glück im Unglück - Travel Elk

Auch ein beliebter Schlafplatz – auf dem Notebook…

Irgendwann stand ich auf und holte mir einen Kaffee – und dann knallte es plötzlich hinter mir. Vor Schreck hätte ich noch fast meine Tasse fallen lassen. Ich flitzte zurück ins Büro und sah unsere Katze, die mit interessiertem Gesichtsausdruck auf der Kante des Schreibtisches saß. Unter ihr am Boden lag meine schöne neue Kamera samt dem aufgesetzten Teleobjektiv in einem irgendwie seltsamen Winkel. Mir wurde flau im Magen, das sah irgendwie nicht gesund aus…

War es auch nicht, wie ich schnell feststellen musste, als ich die Kamera aufhob. Die Linse des Objektivs hatte einen Sprung, ein Stück war abgesplittert. Zudem hing das Objektiv in einem komischen Winkel auf der Kamera. Als ich versuchte, das Objektiv abzunehmen, gab es ein komisch knirschendes Geräusch, und mir fielen einige Brösel in die Hand. Gar nicht gut! Von dem Objektiv konnte ich mich schon mal final verabschieden.

Als ich es dann endlich vorsichtig aus seiner verkeilten Position von der Kamera abgenommen hatte, holte ich tief Luft. Dann schaltete ich die Kamera ein – okay, zumindest das funktionierte. Ich schaute durch den Sucher – alles schwarz, nichts zu sehen. Oh bitte nicht – das war mein einziger Gedanke in diesem Moment! Ausschalten, wieder einschalten – nichts, jetzt war komplett Stille. Akku raus, Akku wieder rein, einschalten – wieder nichts, alles tot. Als ich die Kamera umdrehte, hörte ich, das darin irgendetwas klapperte. Kein gutes Zeichen, dachte ich und schaute vorne in die Öffnung. Da waren auch Splitter zu sehen…

Pudding und Brei

Kennt Ihr das Gefühl, wenn sich der Boden unter Euch plötzlich irgendwie anfühlt wie Pudding? Genau so fühlte ich mich in diesem Moment. Erstmal hinsetzen. Die Katze hockte immer noch mit freundlich-interessiertem Blick auf der Schreibtischkante. Irgendwie muss mein Blick wohl nicht so freundlich gewesen sein, als ich sie anschaute, denn sie klappte die Ohren an, drehte sich um, sprang vom Tisch und spazierte aufreizend langsam schlendernd davon.

Ein paar Minuten lang saß ich einfach nur da und starrte vor mich hin, bis ich mich soweit gefangen hatte, dass ich die Kamera genauer untersuchen konnte. Da tat sich nichts mehr – aus der Objektivöffnung kamen weiterhin kleine schwarze und silbrige Brösel, im inneren klapperte es munter. Und jetzt? Kurz vor der Reise noch eine neue Kamera kaufen? Wir hatten zwar noch unsere EOS 1100D, die auch wirklich schöne Bilder macht, aber wir wollten neben Landschaften eben vorzugsweise Tiere fotografieren. Solange sie sich nicht schnell bewegen, auch mit dieser Kamera kein Problem, aber springende Wale, Adler oder sonstige Tiere in Bewegung, da kommt sie einfach von der Geschwindigkeit her nicht so recht mit. Außerdem lieferte sie keine so hohe Auflösung wie die große Kamera.

Ich war einfach nur frustriert. Ich hatte erst eine handvoll Aufnahmen mit der Kamera machen, mich bis dato nicht einmal mit allen Funktionen auseinandersetzen können! Reparieren war noch eine Option – doch der Freund, von dem ich die Kamera hatte, nahm mir diese Hoffnung einen Tag später. Ich hatte sie ihm am Abend noch vorbeigebracht, er warf einen kurzen Blick darauf und meinte nur lakonisch „Öha… Na, ich guck mal, aber das sieht nicht gut aus.“. Am nächsten Tag rief er mich an und sagte: „Die kannst Du wegschmeißen, die zu reparieren geht entweder gar nicht oder wird zu teuer. Die ist Brei. Deine Katze ist echt talentiert, das muss man erstmal schaffen, eigentlich sind die Kameras sehr stabil.“ Hurra. Ich war frustriert. Nun hatte ich mich so gefreut – und jetzt das. Unsere Reisekasse war ohnehin schon arg strapaziert, mal eben schnell eine neue Kamera samt Objektiv kaufen war einfach nicht drin.

Wer nicht fragt…

Nun saß ich da, nur noch mit einem kleinen Standard-Objektiv und unserer Spiegelreflex, die eigentlich nur als Reserve mitsollte. Wenigstens ein größeres Objektiv musste her! Wildtieraufnahmen mit einem 18-55er Objektiv zu machen, ist nun wirklich keine echte Option, es sei denn, man möchte lauter kleine Punkte auf schönem Landschafts-Hintergrund präsentieren. Wer kommt schon so nah an ein Wildtier, dass man kein Objektiv mit größerem Zoomfaktor braucht? Zudem wollte ich ja nicht nur Urlaubsbilder, sondern auch für den Blog, für Magazine etc. Fotos machen. Die Frustwelle war gewaltig.

Ich dümpelte unzufrieden bei Facebook herum, scrollte durch meine Timeline – und sah einen Beitrag des Objektivherstellers Tamron. Spontan beschloss ich, sie anzuschreiben. Kurzerhand schilderte ich ihnen mein Problem und fragte nach, ob dort nicht vielleicht im Muster-Bestand ein größeres Objektiv vorhanden wäre, dass ich für schlankes Geld erwerben könnte.

Mit einem schiefen Seitenblick auf meine kleine Spiegelreflex und die Reste der großen beschloss ich, einfach auch mal bei Canon anzufragen. Vielleicht haben die ja auch noch irgendwo ein Muster oder etwas älteres, größeres Modell, dachte ich mir. Auch hier beschrieb ich meine Situation und fragte, ob es eine Möglichkeit gäbe, die für mich finanzierbar war. Ich dachte mir, mehr als nein sagen können sie ja nicht, also warum nicht!

Retter in der Not

Was dann passierte, hat mich allerdings wirklich erstaunt. Von beiden Firmen erhielt ich sehr schnell Antwort – und beide boten mir sehr unbürokratisch und nett ihre Hilfe an! Tamron stellte mir leihweise ein tolles Reiseobjektiv 16-300 mm zur Verfügung, und Canon bot mir an, mir einen EOS 70D-Body zu leihen! Ich  war baff. Es ist wirklich selten, dass ich sprachlos bin, aber da war ich es. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet. Das nenne ich wirklich mal Glück im Unglück! Ich habe mich wirklich wahnsinnig gefreut – meine Reise, meine Fotos waren gerettet!

Kurze Zeit darauf bekam ich 2 Pakete. Glücklich packte ich meine neuen geliehenen „Schätze“ aus – was für ein wunderbares Gefühl! Gemeinerweise regnete es in Strömen, so dass ich nicht einmal direkt rausgehen und herumprobieren konnte. Aber egal – Hauptsache, ich würde während der Reise die Chance auf vernünftige Fotos haben! Könnt Ihr Euch ansatzweise vorstellen, wie glücklich ich war – und noch bin? Während ich jetzt nach und nach meine Fotos durchschaue, schießt mir immer wieder durch den Kopf, wie es wohl ohne diese tolle Hilfestellung gewesen wäre.

Glück im Unglück - Travel Elk

Glück im Unglück - Travel Elk

An dieser Stelle möchte ich wirklich Tamron Deutschland und Canon Deutschland nochmals ein riesengroßes DANKESCHÖN sagen – Ihr habt mir die Chance gegeben, von der Reise tolles Bildmaterial mitzubringen! Das ist einfach sensationell, und ohne diese spontane Hilfe wäre die Reise zwar schön, aber nicht so erfolgreich gewesen.

Ich hoffe dass Euch, liebe Leser, die Bilder der kommenden Beiträge genauso gut gefallen wie mir!

 

 

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