Kanada 2017 – Urlaub zwischen Wildnis und Massentourismus 2


Kanada ist ein beliebtes Reiseland, viele träumen von der unendlichen Weite, den Rocky Mountains und der Wildnis. Doch könnte gerade der Urlaub in Kanada 2017 zu einem Erlebnis werden, das man sich so dann doch nicht vorgestellt hätte. Warum ich so denke und welche anderen Möglichkeiten es gibt, erzähle ich Euch in diesem Beitrag.

Kanada 2017 - Travel Elk

 

In diesem Jahr wurde Kanada zur weltweit beliebtesten Reisedestination gekürt. Nicht ohne Grund, denn dieses Land hat all das im Überfluss zu bieten, wovon viele von uns träumen. Dort gibt es sie wirklich, die unberührte, weite Natur, die mächtigen, erfurchtgebietenden Bergmassive, unendlich scheinende Wälder, kristallklare Bergseen, Wildtiere wie Bären, Elche, Wale und unzählige mehr.

Doch gerade diese Auszeichnung wird Kanada 2017 einen Touristenansturm bescheren, wie es wohl bisher noch nie der Fall war. In diesem Jahr kommen mehrere Faktoren zusammen, die diese wundervolle Destination boomen lassen. Neben der Kür zum beliebtesten Urlaubsland gibt es nämlich noch weitere Gründe, die im kommenden Jahr dort einen riesigen Besucherstrom erwarten lassen. Da wäre zum Einen die Tatsache, dass aufgrund des Wahlausganges in den USA viele Touristen, die eigentlich dorthin reisen wollten, ihre Meinung ändern und statt dessen Kanada als Ziel wählen. Zudem feiert Kanada 2017  sein 150jähriges Bestehen. Daher ist in diesem Jahr der Eintritt in alle Nationalparks und historischen Stätten kostenlos.

Das weckt natürlich den Sparfuchs in uns! Die Reiseanbieter freuen sich über eine hohe Zahl an Buchungsanfragen, viele wollen die Chance nutzen, sich den lang gehegten Traum der Reise durch Kanada endlich zu erfüllen. Die unangefochten beliebteste Reiseart ist, Kanada mit dem Wohnmobil zu entdecken, dicht gefolgt von Mietwagen- und Hotelreservierungen.

So ist es nicht verwunderlich, dass es eng werden wird für Reservierungen auf den Campgrounds und in den Hotels entlang der beliebtesten Routen – allen Voran die Strecken zwischen Vancouver und Calgary sowie Vancouver Island. Für das Frühjahr bis einschließlich 31.03.2017 kann jetzt bereits reserviert werden, für Sommer und Herbst ab dem 1. Januar 2017.

Was könnte das für Kanada-Reisende bedeuten? Wer nicht früh genug seine Stellplätze und Hotels bucht, wird auf den Hauptrouten möglicherweise Probleme bekommen, denn hier gilt, wer zuerst kommt, malt zuerst. Auf den Highways dürfte es voll werden, und Attraktionen wie der Lake Louise, der bisher schon in den Sommermonaten bis zu 30.000 Besucher am Tag verzeichnet, drohen von den Besuchermassen quasi erstickt zu werden.

Nein, ich will nicht unken oder eine Spaßbremse sein, aber vielleicht ist es gerade jetzt ein guter Moment, über andere Reisewege und -arten für einen unvergesslich schönen Urlaub in Kanada 2017 nachzudenken. Gerade weil dieses Land so groß ist, bietet es deutlich mehr, als Stoßstange an Stoßstange im Stau zu den Hot Spots zu kriechen, um sich dann, wenn man denn tatsächlich einen Parkplatz gefunden hat, in einer Menschenmenge statt in entspanntem Naturgenuss wiederzufinden.

Viele sind begeistert von den wunderbaren Hochglanzbildern, die Lake Louise, Peyto Lake, Maligne Lake oder Moraine Lake zeigen. Die Strecke durch die Rockies von Vancouer nach Calgary führt an all diesen wundervollen Orten vorbei, da ist es nicht verwunderlich, dass sie bei vielen ganz oben auf der „Da muss ich hin“-Liste stehen. Was diese Bilder nicht zeigen, sind die verstopften Zufahrten, die unglaublichen Massen an Menschen, die sich hier teilweise tummeln – oder wie es dort aussieht, wenn eben mal nicht strahlender Sonnenschein oder fotogenes Zwielicht herrschen. Ja, es ist an diesen Orten unbestritten wunderschön, wenn die Rahmenbedingungen passen. Aber gerade im kommenden Jahr habe ich persönlich da so meine Zweifel, ob der lang gehegte Traum wirklich so real werden kann, wie man es sich wünscht.

Wir haben es in diesem Jahr auf unserer Great Bear Rainforest Tour ausprobiert, uns mal ohne Mietfahrzeug, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln fortzubewegen und dabei Orte zu besuchen, die nicht so im touristischen Hauptfokus stehen. Wir waren positiv überrascht, wie gut und relativ kostengünstig wir uns von A nach B bewegen konnten – um dann tatsächlich die Einsamkeit und majestätische Ruhe zu finden, die wir uns vorgestellt hatten.

Uns ging es wie vielen von Euch – wir wollten die unberührte Natur genießen, die fantastischen Ausblicke, möglichst auch viele Tiere. Wir wollten all das für uns entdecken, die Muße haben, zu verweilen und all das zu genießen. Und wir haben genau das auch tatsächlich gefunden!

Wir fuhren mit dem Bus von Vancouver nach Campbell River auf Vancouver Island, erlebten dort einen tollen Kettensäge-Schnitzwettbewerb, flogen mit einem kleinen Wasserflugzeug zur Sailcones Grizzly Bear Lodge auf Minstrel Island.

Kanada 2017 - Sailcone's - Travel Elk

Dort blieben wir einige Tage und genossen ganz in Ruhe jeden Tag neue, wundervolle Aussichten und Tierbegegnungen bei unseren Ausflügen, die wir allein mit unserem Guide auf einem der kleinen Boote der Lodge machten. Wir konnten selbst entscheiden, wohin wir wollten und wie lange wir dort blieben. Eine Freiheit und Entspanntheit, die für uns die totale Entschleunigung bedeutete. Wir sahen unzählige Wale, Adler, Seehunde, Grizzlybären und andere Tiere der Region – genau so, wie wir es uns gewünscht hatten. Den ausführlichen Bericht zu dieser Tour findet Ihr hier.

Kanada 2017 Humpback Fluke - Travel Elk

Nach ein paar wunderbar entspannten Tagen machten wir uns per Inlands-Linienflug auf den Weg von Campbell River über Vancouver nach Prince Rupert. Das kostete nicht einmal 200 $ pro Person, und der Flug entlang der Küste war wundervoll. Der Blick über die Coast Mountain Range ist einfach phänomenal!

In Prince Rupert übernachteten wir im kleinen, aber erstaunlich ruhigen und sauberen Cow Bay Pioneer Guest House, das nicht nur äußerst preiswert ist, sondern auch nur wenige Schritte vom Hafen entfernt liegt.

Per Wasserflugzeug ging es am nächsten Morgen weiter zur Khutzeymateen Wilderness Lodge, mitten ins Herz des Grizzly-Schutzgebietes. Mehr Wildnis geht nicht – diese Lodge schwimmt völlig einsam vertäut mitten in einer von Menschen völlig unberührten Wildnis.

Kanada 2017 - khutzlodge - Travel Elk

Einzig eine winzige Rangerstation liegt ein Stück aufwärts des Fjords. Vollkommene Ruhe umfing uns hier. Kein menschliches Geräusch, nur der Wind in den Bäumen, das plätschern der Wellen und die Laute der Tierwelt um uns herum. Und auch hier gab es kein straffes Programm, keine festen Zeitvorgaben. Die Natur bestimmte unseren Tagesrhytmus. Die Bärenbeobachtungs-Touren, die wir mit Jamie, dem Inhaber der Lodge, auf seinem Zodiac unternahmen, waren wundervoll. Wir konnten uns den Grizzlys ganz ruhig und entspannt vom Wasser aus nähern und sie beobachten.

Kanada 2017 - Grizzly mit Cub - Travel Elk

Eine Orcafamilie schwamm direkt an der Lodge vobei, spontan sprangen wir mit Jamie ins Zodiac und folgten ihnen – ein unvergessliches Erlebnis! Die Tiere schwammen und sprangen um unser kleines Boot herum, als wären wir ein Teil der Natur un nichts ungewöhnliches an diesem einsamen Ort.

Kanada 2017 - Orca - Travel Elk

Den ausfühlichen Bericht zu dieser wirklich außergewöhnlichen Lodge findet Ihr demnächst hier im Blog. Bis dahin könnt Ihr mehr über diese Reiseetappe im aktuellen MySpotlight Kanada-Magazin nachlesen, das Ihr hier findet!

Nach unserer Rückkehr nach Prince Rupert, das uns nach den Tagen in der Wildnis schon wie eine Großstadt erschien, fuhren wir mit der Fähre von BC Ferries die Inside Passage hinunter bis nach Bella Bella. Das kostet ohne Fahrzeug knapp über 100 $ pro Person, und die Strecke ist einfach traumhaft schön! Von Bella Bella aus waren es nur wenige Minuten mit einem kleinen Boot bis nach Shearwater. Hier verbrachten wir einige Tage in der Shearwater Lodge und Marina, von wo aus wir täglich mit einem Boot Ausflüge in die Fjorde unternahmen. Auch wenn dort der Regenwald seinem Namen alle Ehre machte und wir viel Regen und Nebel in diesen Tagen erlebten, so ist die Region doch trotzdem atemberaubend. Man fühlt sich wie in eine fremde Welt versetzt, es hätte uns nicht verwundert, wenn irgendwo am Ufer einer der unzähligen kleinen Inseln plötzlich ein Einhorn aufgetaucht wäre…

Da es in Kanada sehr einfach ist, einen Angelschein zu bekommen – man legt seinen Ausweis vor, bezahlt die Gebühr von ein paar Dollar und das wars – haben wir auch einen Tag damit zugebracht. Zwar zogen wir anstelle von stattlichen Lachsen nur einige Steinbeißer aus dem Wasser, aber der Tag war trotzdem wunderbar entspannend. Selbst ein Buckelwal schaute vorbei und tauchte direkt unter unserem Boot hindurch! Mehr zu diesem Abschnitt unserer Reise findet Ihr bald hier – bis dahin findet Ihr an dieser Stelle den Vorbericht zur Tour.

Um zur letzten Station unserer Reise zu gelangen, flogen wir von Shearwater mit einer kleinen gecharterten Chessna nach Bella Coola. Das kostet zwar rund 500 $, ist aber den Preis mehr als wert, denn dies ist für mich die schönste Flugstrecke überhaupt! Man fliegt dicht über den Berggipfeln der Coast Mountains oder – je nach Wetterlage – sogar dazwischen hindurch, und der Ausblick ist schlichtweg atemberaubend! Deutlich kostengünstiger geht es mit der kleinen Fähre Nimpkish der BC Ferries, und man kann auf diesem Weg noch einmal die Schönheit der Region ganz in Ruhe vom Wasser aus genießen.

In Bella Coola wurden wir von einem Mitarbeiter der Tweedsmuir Park Lodge mit dem Auto abgeholt, und die rund 45 minütige Fahrt zur Lodge führt durch das wunderschöne Bella Coola Valley. Die Lodge selbst ist für mich ein echtes Juwel in der Wildnis und der perfekte Ort, eine Reise entspannt ausklingen zu lassen. Man bewohnt kleine, wunderschön eingerichtete Holzhütten, deren riesige Panoramafenster einen traumhaft schönen Blick auf die umliegenden Berge ermöglichen.

Kanada 2017 - Tweedsmuir Park Lodge - Travel Elk

Hier kann man wirklich die Seele baumeln und sich rundum verwöhnen lassen! Auch hier ist man umgeben von völliger Ruhe und kann den Tag nach eigenen Wünschen gestalten. Ob man nun von einem der lodgeeigenen Beobachtungsstände nach Grizzlys Ausschau hält, eine geführte Wanderung oder einen Ausritt auf den Isländern der Lodge unternimmt, einen Riverdrift auf den motorlosen Booten den Atnarko River hinunter macht – alles passiert ohne Zeitdruck und folgt den Wünschen der Gäste und den Gegebenheiten des Tages. Einen ausführlichen Bericht zu dieser Lodge, die zu meinen absoluten Favoriten gehört, findet Ihr bald hier mit Blog. Wer jetzt schon neugierig ist, findet meinen Artikel dazu ebenfalls I need der aktuellen Ausgabe des MySpotlight Magazins!

Von Bella Coola aus ging es dann per Linienflug für unter 200 $ pro Person zurück nach Vancouver, wo wir noch 2 Nächte in einer AirBnB-Unterkunft verbrachten, bevor wir uns auf den Heimflug machten.

Wir waren insgesamt 23 Tage unterwegs, und in dieser Zeit haben wir unendlich viel gesehen und erlebt. Wir haben unglaublich nette Menschen getroffen, einsame Regionen besucht, durften wunderbare Tierbegegnungen erleben – genau das hatten wir uns von unserem Kanada-Besuch erträumt.

Was wir auf dieser Tour gelernt haben ist vor allem, dass man auch mit Inlandsflügen, der Fähre oder dem Überlandbus sehr entspannt in Kanada reisen kann, ohne dass es gleich den finanziellen Rahmen sprengt. Der Sprit für das Wohnmobil, dass wir auf unserer Tour 2014 gemietet hatten, war letztendlich auch nicht billiger als die Kosten für die Flüge, Fähr- und Bustickets.

Vielleicht inspiriert Euch ja unsere Tour dazu, auch einmal andere Wege für Euren Urlaub in Kanada 2017 in Betracht zu ziehen. Ob Ihr nun in British Columbia, Alberta, im Osten des Landes oder irgendwo mittendrin unterwegs sein wollt, es gibt immer Alternativen zu den ausgetretenen und manchmal doch sehr vollen Pfaden.

Fragt doch einfach mal beim Reiseanbieter Eures Vertrauens nach, welche Alternativen sie Euch für die Region anbieten können, die Ihr in Kanada 2017 bereisen wollt. Oder schaut selbst einmal im Internet, was es noch für schöne Orte in Kanada gibt, die jenseits der Hauptrouten liegen. Entdeckt Euer eigenes Kanada für Euch, anstatt dorthin zu gehen, wo alle anderen auch schon waren und sind!

Und wenn die Strecke Vancouver-Calgary Euer Traumziel ist – vielleicht fahrt Ihr diese zugegebenermaßen wirklich wunderschöne Route 2018, wenn es wieder ein wenig ruhiger geworden ist.

Wie sieht Eure  Planung aus, wie seht Ihr das Thema Urlaub in Kanada 2017? Ich freue mich über bEure Sichtweise in den Kommentaren!

 

 

 


Kommentar erstellen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

2 Gedanken zu “Kanada 2017 – Urlaub zwischen Wildnis und Massentourismus

  • Wally Waltraud Bungert

    Ganz ganz wunderbar geschrieben und tolle Fotos….wäre ich noch kein Kanadafan…jetzt würde mich nichts mehr halten. Wir haben lange überlegt was wir dieses Jahr machen …eigentlich wollten wir ja mit dem Wohnmobil nach USA….aber Trump….ich weiß nicht ob das geht. Dann habe ich eine Anfrage bzgl. eines Truckcampers gestellt….leider ist die beim Reisebüro untergegangen. Jetzt sitze ich seit 3 Tagen auf heißen Kohlen ob wir das letzte Fahrzeug das noch zur Verfügung stand bekommen. Wir fahren immer Ende April Anfang Mai…da ist es bis jetzt immer leer gewesen…und abenteuerlich. Viele Campingplätze noch geschlossen und viele Strassen gesperrt, aber das hat uns gerade so begeistert. Ich hoffe…trotz des Ansturms…dass wir noch eine Möglichkeit nach Kanada zu kommen…finden werden. Ich werde weiter deinen tollen Berichten folgen.

    • TravelElk Beitragsautor

      Danke, liebe Wally! In der Vorsaison ist es wirklich um Welten ruhiger, das gefällt uns auch besser. Auch wenn teilweise noch Schnee liegt und viele Campgrounds geschlossen sind, wir haben immer einen schönen Platz zum übernachten gefunden, man kann ja z.B. auch mal Farmer fragen, ob man auf ihrem Grund bleiben kann etc.
      Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass Ihr Euer Fahrzeug noch bekommt! ?