Wochenendtrip nach Washington D.C. – Teil 1 3


Ihr fliegt nach Washington für ein Wochenende? Und dann noch im November – seid Ihr verrückt? Warum macht Ihr das? Diese Frage haben wir häufiger gehört. Meine Gegenfrage lautete stets „Warum nicht?“.

Ja, es ist ein langer Flug, ja, ein Wochenende ist kurz. Aber manchmal muss man im Leben auch verrückte Dinge tun, oder? Wenn schon die USA, warum nun ausgerechnet Washington und nicht eine Metropole wie beispielsweise New York? Dafür gibt es einen ganz einfachen Grund – New York besticht vor allem durch seine Wolkenkratzer, und genau die empfinden wir als erdrückend! Da wir uns normalerweise lieber in der freien Natur als in der Stadt aufhalten, erschien uns Washington für ein Wochenende als eine reizvollere Alternative, da dort kein Gebäude höher als das Capitol sein darf. Zumindest würden wir uns dort also nicht von tiefen Straßenschluchten in eine Ameisenperspektive versetzt fühlen.

Washington für ein Wochenende - Air France A380

Der A380 ist ein wirklich beeindruckend großes Flugzeug

So packten wir unsere Koffer und starteten in dieses kurze, aber sehr intensive Abenteuer. Ein kleiner Cityhopper brachte uns nach Paris, denn vom Flughafen Charles de Gaulle sollte der Flug über den Atlantik starten. Was wir vorher nicht wussten: auf diesem Flughafen fanden gerade umfangreiche Umbaumaßnahmen statt. Das bedeutete, dass wir vom Ankunfts- bis zum Abfluggate über eine Stunde brauchten! Nun ist es dort unter normalen Bedingungen schon nicht gerade übersichtlich, aber wenn die Hälfte der Hinweisschilder abgedeckt ist oder ganz fehlt, macht das die Sache nicht gerade einfacher. Endlich am richtigen Gate angekommen, fanden wir uns in einer unglaublichen Menschenmenge wieder. Wir flogen mit einem A380 der Air France, was bedeutete, dass wir gemeinsam mit rund 850 anderen Passagieren an Bord gehen würden!

Das Gute daran war, dass wir in der „Premium Voyageur Class“ gebucht waren, somit konnten wir das Boarding durch den First-Class-Zugang nutzen, was die Sache deutlich beschleunigte. So fielen der Stress und die Hektik der vergangenen Stunden dann auch schnell von uns ab, und wir landeten sehr entspannt am frühen Nachmittag auf dem Dulles Airport in Washington.

Wir wussten nicht viel über die Hauptstadt der USA – dort steht das Weiße Haus, das Capitol, es gibt ein Washington Memorial und eine Menge Museen. Somit gab es viel für uns zu entdecken.

Doch zunächst mussten wir in die City zu unserem Hotel. Die beste und kostengünstigste Möglichkeit ist ein Super Shuttle, ein Großraum-Sammeltaxi, das der Reihe nach alle Insassen am gewünschten Zielort absetzt.

Washington für ein Wochenende - Super Shuttle

Super Shuttle – vielleicht nicht die schnellste Verbindung in die City, aber auf jeden Fall günstig und interessant!

Auf diese Art bekommt man schon auf dem Weg zum Hotel eine Art Mini-Stadtrundfahrt, vorzugsweise durch Außenbezirke der Stadt, die man sonst nicht zu sehen bekäme.

Washington für ein Wochenende - Weißes Haus Nordseite

White House North

Unser Hotel lag am Dupont Circle, also relativ nah zum Stadtzentrum. Da wir ja nicht allzu viel Zeit zur Verfügung hatten, machten wir uns nur kurz frisch und starteten dann zu einer ersten Erkundungstour. Wir hätten die U-Bahn nehmen können, aber da die Sonne herrlich schien entschlossen wir uns, uns zu Fuß auf den Weg zu machen. Nach dem langen Flug tat etwas Bewegung wirklich gut! Nach rund 15 Minuten standen wir dann schon an der Nordseite des Weißen Hauses und staunten nicht schlecht, wie nahe man von dort aus an dieses Gebäude herankommt. Eigentlich wirkt es aus dieser Perspektive viel kleiner, als man es sich vorstellt, wenn man bedenkt, dass dort einer der mächtigsten Männer der Welt residiert.

Direkt neben dem Zaun sahen wir ein seltsames, aus Planen zusammengewürfeltes Zelt, eine alte Frau saß darin. Bei näherer Betrachtung stellten wir fest, dass sie dort seit den 80er Jahren lebte, umgeben von ihren Plakaten und Schildern. Das war ihre stille Art, gegen Atomwaffen zu protestieren. Sie bettelt nicht, sie ruft keine Parolen – sie sitzt nur als stumme Anklage dort, Tag für Tag, seit mehr als 30 Jahren. Als wir weitergingen, blieb für uns die Frage offen, ob wohl in all den Jahren jemals einer der mächtigen Männer, vor deren Haustür sie saß, auch nur ein einziges Wort mit ihr gewechselt hat. Wahrscheinlich nicht…

Washington für ein Wochenende - Living behind the White House

30 Jahre lebt sie hier bei jedem Wind und Wetter

Wir setzten unseren Weg fort, das Weiße Haus zu umrunden und zur Südseite zu gelangen. Und während wir noch herumblödelten, ob uns vielleicht gleich Obama aus einem der Fenster heraus zuwinken würde, änderte sich um uns herum alles schlagartig. Gerade noch waren wir fast allein und in aller Ruhe die Straße entlang spaziert, da tauchten plötzlich wie aus dem Nichts Unmengen von Polizeiwagen mit Blaulicht auf und sperrten die Straße ab. Polizisten sprangen heraus und versperrten uns den Weg, nichts und niemand konnte sich mehr wegbewegen. Da alle einen recht grimmigen und angespannten Gesichtsausdruck hatten verzichteten wir auf die Nachfrage, was das denn zu bedeuten hätte und warteten einfach ab. Die Erklärung ließ nicht lange auf sich warten, nach kurzer Zeit öffnete sich direkt vor uns seitlich ein Tor, und eine Kolonne aus schwarzen Limousinen und SUVs mit getönten Scheiben fuhr mit ziemlichem Tempo hinein. Das Tor schloss sich hinter ihnen, und in kürzester Zeit war der Spuk vorbei. Die Polizisten stiegen in ihre Wagen und fuhren los, alles war wieder wie vorher, das Ganze hat insgesamt keine 5 Minuten gedauert. Natürlich spekulierten wir darüber, ob da vielleicht gerade Barack Obama in einem der Wagen gesessen hatte. Diese Annahme bestätigte sich später, denn in den Abendnachrichten erfuhren wir, dass er von einem Treffen mit Angela Merkel zurückgekommen war!

So kamen wir dann mit ein wenig Verzögerung auf der Südseite des Weißen Hauses an, vor uns lag der lange Rasen und die Front, die wohl jeder kennt. Auch wenn wir hier viel weiter entfernt von diesem Gebäude waren, es beeindruckte uns doch sehr. Man fühlt, dass es mehr als nur ein einfaches Bauwerk ist. Im Übrigen zeigte sich in diesem Moment ein großer Vorteil unserer doch eher ungewöhnlichen Reisezeit – wir waren fast ganz allein dort, außer uns waren nur eine Handvoll andere Menschen zu sehen. So konnten wir den Anblick ganz in Ruhe auf uns wirken lassen, bevor wir unseren Weg fortsetzten.

Washington für ein Wochenende - White House South

White House South

Wenige Schritte entfernt waren entlang der Straße viele kleine Buden aufgebaut, die den wohl überall auf der Welt obligatorischen Touristen-Andenken-Kitsch anboten. Dazwischen quietschbunte Buden mit Süßigkeiten und auch ein Hotdog-Stand.

Washington für ein Wochenende - Disney Imbiss

Bunt und mit viel Auswahl – der Disney Imbiss

Da wir inzwischen etwas Hunger bekommen hatten, beschlossen wir, nun einen originalen US-Hotdog zu probieren, komplett mit Sauerkraut und diversen Saucen. Da das Ganze nicht sooo einladend auf uns wirkte, bestellten wir sicherheitshalber erst mal nur einen. Was wir dann in die Hand gedrückt bekamen sah nicht so aus, als würde es zu unserem neuen Lieblingsgericht avancieren – das Kraut war eher bräunlich und roch auch nicht wirklich einladend. Aber schließlich sollte man alles erst einmal probiert haben, bevor man sich eine Meinung darüber bildet, und so bissen wir skeptisch hinein. Sagen wir es mal so – man kann es essen, aber es muss wirklich nicht sein! Vor allem das sehr ölige und irgendwie leicht verrottet schmeckende Kraut brauche ich persönlich nicht nochmal. Vielleicht haben wir ja auch nur den falschen Stand erwischt, keine Ahnung, aber ich hake dieses Thema für mich als erledigt ab.

Ein kleiner Hinweis: Am Ende von Teil 3 findet Ihr eine Gallerie mit allen Bildern dieser Reise in größerer Auflösung!

 

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3 Gedanken zu “Wochenendtrip nach Washington D.C. – Teil 1

  • Monika and Petar Fuchs

    Ein Wochenende in Washington? Warum nicht? Ich finde das Klasse! Washington D.C. ist eine meiner Lieblingsstädte in den USA, und egal ob man nur einen Tag Zeit hat, ein Wochenende oder mehrere Wochen – es gibt immer wieder Neues zu entdecken. Es ist schon erstaunlich, dass man trotz der ganzen Sicherheitsbestimmungen in den USA noch immer so nahe ans Weiße Haus heran kommt.

    • TravelElk Beitragsautor

      Wir haben uns auch wirklich in diese Stadt verliebt. Das ist eine der wenigen Städte, in die ich auch noch einmal mit deutlich mehr Zeit zurückkehren möchte. Da hätte ich auch in 2 Wochen keinen Moment Langeweile! Allein die ganzen Museen, das Smithonian – da ist eine Woche ja fast nichts.
      Es ist schade, dass man nicht mehr ins Weiße Haus hinein kann als Tourist, das hätte ich wirklich toll gefunden. Aber bis man das organisiert hat, ich glaube, da muss man ewig lange im Vorfeld schon den ersten Antrag einreichen.
      Allein schon, dass ich das Capitol nicht von Innen gesehen habe, ist Grund genug, noch einmal hinzufliegen! 🙂